Donnerstag, 22. September 2016

Die Eisbären und der Eisvogel

Im Eismeer ist es ziemlich kalt. So kalt, dass das Wasser friert und sich große Eisschollen bilden. 

Auf einer Eisscholle lebt die Eisbärin “Weiße Mama“ mit ihrem Eisbärenkind “Weißer Boy“. Die Eisscholle ist ziemlich groß und die Eisbärenmama hat eine kleine Eishöhle gebaut, in die sie sich verkriechen können, wenn der Wind besonders kalt bläst und alles um sie herum weiß und fest gefroren ist

Dieser Winter ist sehr kalt und sie müssen sich immer wieder in ihre Eishöhle zurück ziehen. Ganz eng kuscheln sie sich zusammen, damit Weißer Boy nicht erfriert.

Die Eisbärenmama geht immer nur kurz hinaus, um zu tauchen und einen Fisch zu fangen, da sie wegen der Kälte viel Futter brauchen.

Die große Kälte war nicht gut für ihre Augen, sie sieht unter Wasser sehr schlecht und kommt immer häufiger ohne einen Fisch zurück. Beide haben großen Hunger und werden immer dünner. Und wenn sie dünner werden, frieren sie noch mehr. 

Die Mama hat große Angst um ihr Kind. 

Seit dem letzten großen Schneesturm lebt auf der nächsten Eisscholle ein Eisvogel. Der Eisvogel kann sehr gut sehen, sehr schnell tauchen und Fische fangen. Deshalb heißt er “Schneller Fänger”.

Bei dem Schneesturm hat sich Schneller Fänger am Flügel verletzt. Er kann noch gut langsam in der Luft kreisen und sehr gut sehen, tauchen um Fische zu fangen, kann er nicht mehr. Er sieht von oben viele Fische und kann sie trotzdem nicht fangen.

Auch er hat großen Hunger.

Bei seinem nächsten Flug hat er wieder nichts gefangen, weil er nicht mehr tauchen kann und vor Enttäuschung landet er auf der  Eisbärenscholle.

Dort findet er die Eisbärenmama und ihr Kind, beide sind ganz dünn geworden.

Der Eisvogel erzählt, dass er die Fische von oben im Wasser gut sieht, aber sie nicht mehr fangen kann. Die Eisbärin erzählt, dass sie noch gut schwimmen und tauchen kann, aber die Fische mit ihren schlechten Augen nicht mehr findet.

Beide sind ganz traurig und überlegen, was sie tun können. Dann kommt ihnen die rettende Idee. 

Der Eisvogel steigt langsam in die Luft und sieht von oben die Fische. Und da es im Eismeer sehr ruhig ist, kann er der Eisbärin zurufen, wo sie die Fische finden kann. 

Die Eisbärin stürzt sich in das kalte Wasser, fängt ganz schnell die Fische und legt sie auf den Rand der Eisscholle. Der Weiße Boy sammelt die Fische ein und legt sie auf einen Haufen.

Als die Jagd zu Ende ist, haben sie gemeinsam viele Fische gefangen. Sie setzen sich zusammen hin und haben genug Futter für die nächsten Tage. 

Und nur weil sie sich gegenseitig geholfen haben, überleben alle drei den kalten Winter auf der Eisbärenscholle im Eismeer und warten auf den nächsten Frühling.

Piere, der kleine Beluga

Piere, der kleine Beluga-Wal lebt mit seiner Mama im großen Nordmeer, dort wo es ein halbes Jahr ganz dunkel ist und in der anderen Hälfte immer hell bleibt. Dann ist auch nachts die Sonne zu sehen, aber Piere hat keine Uhr und weiß nicht, wie spät es ist.

Es ist im Eismeer ziemlich kalt, aber das Wasser friert im Winter nicht zu. Piere und seine Mama finden deshalb immer genug zu essen. Am Anfang säugt ihn seine Mama, langsam beginnt er auch andere Dinge zu mögen. Meistens gibt es Fisch. Piere hätte zwar viel lieber kleine Seesterne und Krebse, aber manchmal findet seine Mama nur Fische. 

Wenn seine Wal-Mama nur mit Fisch zurückkommt, ist Piere ärgerlich. Er schreit dann rum, will auch den Fisch nicht haben. Wenn er Füße hätte, würde er damit ganz laut aufstampfen, so kann er nur mit den Flossen klatschen. Wenn er könnte, würde er sich vor Ärger auf den Boden werfen, aber der Meeresboden ist so tief, dass er nicht bis nach unten kommt.

Als seine Wal-Mama wieder einmal auf Futtersuche unterwegs ist und nur mit Fisch zurück kommt, wird er sehr ärgerlich und beschließt, als seine Mama nicht aufpasst, allein auf die Suche nach Seesternen und Krebsen zu gehen.

Er schwimmt und schwimmt ganz weit und sieht viele interessante Dinge. 

Oft begegnet er anderen Walen, großen und kleinen, er sieht viele Fische, Seehunde, Robben. Wenn er einmal auftaucht und den Kopf aus dem Wasser hebt, sieht er auch viele Vögel am Himmel, meist sind es Möwen.

Piere, der kleine Beluga-Wal ist so in Gedanken, dass er gar nicht darauf achtet, wo seine Mama bleibt. Als er sich nach einer Weile umsieht und seine Mama nicht mehr findet, ist er sehr erschrocken. Eine Weile schwimmt er hin und her und findet sie trotzdem nicht.

Piere wird sehr traurig, und wenn er nicht im Wasser leben würde, hätte er Tränen in seinen kleinen, runden Walaugen

Nach einer Weile ist Pier vom vielen Hin- und Herschwimmen so erschöpft, dass er sich ganz nah am Ufer einer kleinen Insel noch unter Wasser auf den Boden legt und leise vor sich hin weint.

Das hören die anderen Tiere, die auf der Insel leben. Sie setzen sich zusammen setzen und überlegen, wie sie Piere helfen können.

Der erste Idee haben die Seevögel. Sie beschließen, dass sie am nächsten Tag gemeinsam in die Luft steigen und nach allen Richtungen über dem Meer nach der Mama von Piere suchen werden.

Die Seehunde und die Robben überlegen sich, dass sie für Piere, der das Jagen noch nicht von seiner  Mama gelernt hat, nach Futter suchen. Piere schluchzt: 'Aber bringt mir ja nicht den blöden Fisch, ich will viel lieber lieber Seesterne und Krebse.' 

In den nächsten Tagen steigen die Seevögel auf, um die Wal-Mama zu finden, aber das Meer ist so groß, dass sie sie nicht sehen können. Sie wollen Piere aber unbedingt helfen und fliegen weiter und weiter.

Die Seehunde und Robben sammeln das Futter für Piere, Seesterne und Krabben.

Piere wächst langsam weiter, wird größer und stärker und eines Tages beschließt eine SeeKuh-Mama Piere mit auf die Jagd zu nehmen, damit er lernt sich sein Futter selbst zu suchen. Nach einigen Tagen kann er allein losschwimmen und findet ganz schnell sein Futter und wird satt.

Piere wächst und wächst und ist nach wenigen Monaten ein großer, schöner weißer Beluga-Wal. Er bleibt jetzt immer in der Nähe der Insel bei seinen neuen Freunden und fühlt sich dort wohl und sicher.

Eines Tages, er schläft im flachen Wasser am Ufer, hört er auch einmal ein lautes Geschrei. Die Vögel rufen und kreischen, die Seehunde und Robben sind aufgeregt. Alle rennen hin und her und zeigen mit ihren Schnäbeln und Flossen immer wieder auf eine Stelle im flachen Uferwasser. 

Piere hebt seinen Kopf und sieht in die Richtung in die alle zeigen.

Zuerst sieht er den Kopf eines anderen Wales, es ist ein Orca. Piere kennt seinen Namen nicht, aber er sieht sofort, dass der andere Wal böse ist. Der Orca peitscht mit seinem großen Schwanz das Wasser und versucht einen kleinen Seehund zu packen, mit dem Piere noch vor ein paar Stunden am Ufer im Wasser gespielt hat. 

Piere hat noch nie mit einem anderen Tier gekämpft. Jetzt sieht er, dass der Orca seinen Seehundfreund verletzen oder sogar töten will. 

Piere ist inzwischen durch die Hilfe seiner Freunde auf der Insel groß und stark geworden. Er weiß, dass nur er in der Lage ist, den Seehund zu retten. Er nimmt einen großen Anlauf, springt 2 Meter hoch aus dem Wasser, plumpst zurück und schießt wie ein Pfeil auf den Orca zu.

Der Orca hat Piere noch nicht gesehen und versucht weiter den kleinen Seehund zu greifen.

Als Piere den Orca erreicht hat dieser gerade den kleine Seehund am Bein gepackt. Piere ist wütend und wie eine Rakete prallt sein Kopf gegen den Kopf des Orca. Der muss den Seehund loslassen und fliegt zur Seite. Noch einmal greift Piere den Orca an, der sieht wie wütend Piere auf ihn ist und will sich nicht auf einen Kampf mit ihm einlassen. Während er sich auf das Meer hinaus zurück zieht, hilft Piere dem verletzen Seehund-Jungen aus dem Wasser. 

Vom Lande haben die Robben und Seehunde und aus der Luft die Seevögel beobachtet, wie Piere den Seehund gerettet hat. Als er mit ihm auf dem Rücken am Ufer angekommen ist, beschließen die Tiere der Insel gemeinsam ein Fest zu feiern und Piere zu danken.

Sie rufen alle Tiere der Umgebung zum Fest zusammen, in der Luft, auf der Insel und im Wasser.

Zufällig schwimmt auch Pieres Wal-Mama an der Insel vorbei. 

Als sie hört, dass ihr Sohn einen kleinen Seehund vor dem Orca gerettet hat und dass deshalb dort alle Tiere ein Fest feiern, schwimmt sie ganz schnell zur Insel.

Dort trifft sie ihren Sohn wieder und ist stolz, wie groß und stark er inzwischen geworden ist.